Einleitungen für den Werkvergleich

Der erste Eindruck

Die Einleitung Ihres Aufsatzes ist der erste Eindruck bei der Korrektur.

Stabilität von ersten Eindrücken
Einmal gebildete erste Eindrücke tendieren dazu, stabil zu sein. Laut einem Review von Literatur zur Genauigkeit und zum Einfluss von ersten Eindrücken auf Beurteilungen, korrelieren die ersten Eindrücke der Bewerter stark mit späteren Bewertungen (…) Der erste Eindruck kann spätere Wahrnehmungen überlagern und sich als Beurteilungsfehler auswirken.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Eindruck

Üben Sie das zu Hause, formulieren Sie ‘Textbausteine’ vor!
http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/analyse/index.htm

Besonders positiv fällt eine „passgenau“ durchdachte, d.h. auf die konkrete Textstelle oder den Untersuchungsaspekt hinführende Einleitung auf (…).
https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/abitur-einleitung-deutsch-aufsatz/3387


Auch ich fühle mich oft wie ein Steppenwolf (?)

Vorsicht mit dem “persönlichen Bezug”!

So lieber nicht:

Meine Großmutter besaß zwei ledergebundene Folianten, Faust eins und Faust zwei. Nicht dass ich je gesehen hätte, dass sie in einem der beiden Schinken gelesen hätte… Sie kümmerte sich lieber um den Sonntagsbraten… Apropo Schinken und Braten – immer mehr Menschen werden heute Vegetarier oder gar Veganer. Sie suchen den Sinn ihres Lebens in gesunder oder nachhaltiger Ernährung. Ganz anders Heinrich Faust, Anselmus und Harry Haller. Gesundheit und Umweltbewusstsein treiben diese Protagonisten wahrlich nicht um. Denen geht es um ganz andere Themen: …

Meine beste Freundin ist sehr launisch. An einem Tag kommt sie fröhlich und heiter in die Schule, am nächsten Tag wirkt sie echt depri. So auch Heinrich Faust, Anselmus und Harry Haller…

Da sitz’ ich nun, ich armer Tor, und muss einen Abituraufsatz schreiben. Hab herzlich wenig Bock, mit saurem Schweiß zu sagen, was ich nicht weiß. Eigentlich sind jetzt schon der Worte genug gewechselt, aber die da oben wollen ja unbedingt mindestens 10 Seiten sehen…


Vorformulieren und auswendig lernen?

Das mag eine gute Idee für Schülerinnen und Schüler sein, die sehr große Probleme mit dem Schreiben von Aufsätzen haben und die dadurch vermeiden zu lange vor dem weißen Blatt zu sitzen.

Empfehlenswert ist aber sicher für alle, Einleitungen zu Hause zu üben, vielleicht Textbausteine vorzuformulieren, die man für das jeweilige Thema des Aufsatzes passend machen kann.

Dabei mögen folgende Überlegungen hilfreich sein:

  • Worin liegt überhaupt der Sinn eines Literaturvergleichs? (z.B. Einsichten gewinnen, die über eine textimmanente Betrachtung hinausgehen)
  • Auf welchen Ebenen lassen sich Vergleiche ziehen? (z.B. Figuren, Handlungen, Beziehungen, Motive, Szenarien)
  • Gibt es Bezüge vom jüngeren Werk zum älteren? (z.B. ganz explizit in “Der Steppenwolf” zu Goethes “Faust”)

Wenn Faust den unter den Schullehrern berühmten, vom Philister mit Schauer bewunderten Spruch sagt: »Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!« dann vergißt er den Mephisto und eine ganze Menge andrer Seelen, die er ebenfalls in seiner Brust hat. Auch unser Steppenwolf glaubt ja, zwei Seelen (Wolf und Mensch) in seiner Brust zu tragen und findet seine Brust dadurch schon arg beengt.

(Hermann Hesse: Der Steppenwolf)

  • Wer gerne mit einem Zitat einleiten möchte, muss sich nicht unbedingt durch zitate.net wühlen – warum nicht nach geeigneten Zitaten in den zu vergleichenden Werken suchen? (z.B. “(…) wenn Ihm sonst nichts fehlt, als daß Er zu viel ins Gläschen gekuckt – geh’ Er fein ordentlich zu Hause und leg’ Er sich aufs Ohr (…) – Rat eines Bürgers in “Der goldne Topf”)
  • Gibt es Themen, die einer der Autoren in seinem Werk immer wieder aufgenommen hat? (z.B. geht es in verschiedenen Werken Hesses um Lebenskrisen)
  • Welche universellen, zeitlosen Themen sind immer wieder Gegenstand der Weltliteratur? (z.B. Tod, Schuld, Liebe, Schicksal, Wahnsinn, Sinnsuche; irgendeine Komplikationshandlung und deren Auflösung)

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