Außentexte – Faust, Steppenwolf, Topf – Werkvergleich

Außentext-Vorschläge
(Auch wenn sich die Texte z.T. nur bedingt für eine Klausur eignen, so geben sie doch Anregung für die eigene weitere Textsuche.)

Thema: Held/Antiheld/romantischer Held

“Aus der historisch-gesellschaftlichen Blickrichtung betrachtet zeichnet den ‘romantischen Helden’ eine Reaktion auf die Verhältnisse und Situation, also Enttäuschung, Resignation, Weltflucht, Entsagung und Opferbereitschaft, aber auch Rebellentum und Opposition, aus.
Psychologisch gesehen zeichnet sich der ‘romantische Held’ durch eine gesteigerte Sensibilität und Reflexivität aus, mit Folgen wie Melancholie, Weltschmerz, Unrast, Gefühlsleere, Liebesunfähigkeit, Zynismus, aber zugleich Sehnsucht und Schwärmerei ebenso wie Geistesstörungen verschiedener Art.”
(Florian Rolf: Der Begriff des Helden unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmann: “Der Goldenen Topf” (sic!) Seminararbeit, veröffentlicht unter https://www.grin.com/document/36886)

(Anmerkung: Rolfs Ausführungen lehnen sich sehr eng an Georg Schulz, Romantik: Geschichte und Begriff, München 2008, 3. Auflage, S. 111, an.)


Thema: Lebensbewältigung

“Hesse schreibt […], daß es über dem Steppenwolf und seinem problematischen Leben eine zweite, höhere, zeitlose Welt gibt, die dem Leiden des Steppenwolfs eine transpersönliche und transtemporäre Welt des Glaubens gegenüberstellt, daß das Buch gewiß von Schmerz und Leiden erzählt, daß es aber die Geschichte eines Gläubigen ist und nicht ein Buch der Verzweiflung.”
(aus: Timothy Leary, Politik der Ekstase, Hamburg 1970, zitiert nach Martin Pfeifer: Hermann Hesse, Der Steppenwolf, Baustein Deutsch, Hollfeld 1986, S. 93)

“[…] Steppenwolf – ein Roman um Krise, Leid, Konflikt, Qual -, zumindest an der Oberfläche. Hesse schreibt in einem Brief, wäre sein Leben kein gefährlich schmerzliches Experiment, bewegte er sich nicht ständig am Rande Abgrunds und fühlte das Bodenlose unter seinen Füßen, so wäre sein Leben ohne Sinn und er hätte nie etwas schreiben können. ”
(aus: Timothy Leary, Politik der Ekstase, Hamburg 1970, zitiert nach Martin Pfeifer: Hermann Hesse, Der Steppenwolf, Baustein Deutsch, Hollfeld 1986, S. 92f.)

“Ich kenne keine Weisheit, die mir das Leben erleichtern würde. Das Leben ist nicht leicht, nie, aber danach, ob es leicht sei oder nicht, haben wir gar nicht zu fragen. Wir müssen entweder am Leben verzweifeln, das steht jedem frei, oder wir müssen es ebenso machen wie die scheinbar Gesunden und Tüchtigen, die scheinbar Problem- und Seelenlosen: wir müssen versuchen, unsre Natur als das einzig Richtige zu nehmen, unsrer Seele alle Rechte zuzugestehn.”
(Aus: Hermann Hesse, Die Antwort bist du selbst. Briefe an junge Menschen. Herausgegeben von Volker Michels. Frankfurt am Main 2000, S. 159) – Brief “An Fräulein G.D. (stud. phil.)”

“Man muss durch das Leid und durch die Verzweiflung hindurch, um wieder ans Licht zu kommen.”
(Aus: Hermann Hesse, Die Antwort bist du selbst. Briefe an junge Menschen. Herausgegeben von Volker Michels. Frankfurt am Main 2000, S. 369) – Brief “An einen Studenten”


Thema: geistige Menschen, Außenseiter

“Tief denkende Menschen kommen sich im Verkehr mit anderen als Komödianten vor, weil sie sich da, um verstanden zu werden, immer erst eine Oberfläche anheucheln müssen.”
https://de.wikiquote.org/wiki/Friedrich_Nietzsche


Thema: Grenze, Grenzüberschreitung, Entgrenzung

“Gefühl von Grenze darf nicht heißen: hier bis du zu Ende, sondern: hier hast du noch zu wachsen.”
https://de.wikiquote.org/wiki/Emil_G%C3%B6tt


Thema: Gemütszustände/Melancholie

“Die Traurigkeit ist das Los der tiefen Seelen und der starken Intelligenzen.”
https://de.wikiquote.org/wiki/Alexandre_Vinet

“Und die selbe schwarze Galle, die dem Zentrum der Welt gleich ist, neigt unwiderstehlich dazu, das Zentrum aller Dinge zu erforschen, und sie führt uns über sich selbst hinaus, um die allerhöchsten Dinge zu begreifen, denn sie hat Gemeinschaft mit dem Saturn, dem allerhöchsten Planeten.”
https://de.wikiquote.org/wiki/Marsilio_Ficino


Thema: Lieben und Leiden

“Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben (…)”
(Sigmund Freud: “Das Unbehagen in der Kultur” (1930), Frankfurt/Main 2009, S. 49)

Thema: Leidensdruck, Krankheit, Veränderung

“Wo verläuft sie denn nun, die Linie zwischen noch gesund und schon krank?
Da gibt es keine klare Linie, es geht ineinander über. Ein Anzeichen für Krankheit ist aber, dass einen etwas im Alltag einschränkt. Also, wenn zum Beispiel jemand aus Angst nicht mehr Bahnfahren kann und deshalb zu Hause bleibt. Wir sprechen dann vom sogenannten Leidensdruck. Ein gewisser Leidensdruck ist häufig auch Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Es kommt vor, dass wir erstmal eine Therapie starten und diese dann aber unterbrechen, weil der Leidensdruck einfach momentan noch nicht groß genug und die Veränderungsmotivation zu gering ist.”
https://www.sueddeutsche.de/news/gesundheit/gesundheit-die-psyche-immer-im-blick-haben-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180802-99-397670

“Was genau ist Leidensdruck? Es ist der Stress, der aus einer schwer erträglichen Situation entsteht. Er kann aus aktuellem Leiden kommen, also aus körperlichen oder seelischen Schmerzen, aber auch aus Angst vor zukünftigem Unheil (…). Doch Leidensdruck allein schafft keine Veränderung. (…) Damit Energie zur Veränderung entsteht, muss zu dem Leidensdruck eine positive Perspektive kommen. Erst wenn das Leiden herausgefordert wird von der Idee, dass es auch anders sein könnte und dass diese Änderung realistischerweise erreichbar ist, entsteht ein Gefühl der Hoffnung, und mit ihr die Energie zur Veränderung.”
https://www.umsetzungsberatung.de/psychologie/leidensdruck.php


Thema: Geschenke

“Ich hatte nicht das Glück, Marias einziger oder bevorzugter Geliebter zu sein, ich war einer von mehreren. Oft hatte sie keine Zeit für mich, manchmal eine Stunde am Nachmittag, wenige Male eine Nacht. Sie wollte kein Geld von mir nehmen, dahinter steckte wohl Hermine. Aber Geschenke nahm sie gerne, und wenn ich ihr etwa ein neues kleines Portemonnaie aus rotlackiertem Leder schenkte, durften auch zwei, drei Goldstücke darin stecken. Übrigens mit dem roten Geldbeutelchen wurde ich von ihr sehr ausgelacht! Es war entzückend, aber es war ein Ladenhüter, verschollene Mode. In diesen Dingen, von welchen ich bisher weniger gewußt und verstanden hatte als von irgendeiner Eskimosprache, lernte ich von Maria viel. Ich lernte vor allem, daß diese kleinen Spielzeuge, Mode und Luxussachen nicht bloß Tand und Kitsch sind und eine Erfindung geldgieriger Fabrikanten und Händler, sondern berechtigt, schön, mannigfaltig, eine kleine oder vielmehr große Welt von Dingen, welche alle den einzigen Zweck haben, der Liebe zu dienen, die Sinne zu verfeinern, die tote Umwelt zu beleben und zauberhaft mit neuen Liebesorganen zu begaben, vom Puder und Parfüm bis zum Tanzschuh, vom Fingerring bis zur Zigarettendose, von der Gürtelschnalle bis zur Handtasche. Diese Tasche war keine Tasche, der Geldbeutel kein Geldbeutel, Blumen keine Blumen, der Fächer kein Fächer, alles war plastisches Material der Liebe, der Magie, der Reizung, war Bote, Schleichhändler, Waffe, Schlachtruf. (Hermann Hesse: Der Steppenwolf)


Thema: Tiere und Tierwesen – Schlange, Pudel, Wolf und Co.

“Wir benutzen Tiere geradezu für unsere menschlichen Widersprüche. Bedenkt man das Ausmaß dieser Nutzung […], so könnte unsere kollektive symbolische Nutzung von Tieren in all ihrer Widersprüchlichkeit kaum stattfinden, wären die Tiere aus Sicht des Menschen nicht besonders geeignet für diese Indienstnahme. […] Wir glauben, daß wir den Tieren sehr ähnlich sind und und doch unterschieden von ihnen, fast so wie Menschen in früheren Jahrhunderten glaubten, Gott sei ihnen ähnlich und zugleich eine vollkommen andere Existenz. Wir sehen Tiere mit ihren Leibern, Gesten, Verhaltensweisen und Kommunikationsformen als unsere Verwandten – mit allen Komplikationen, kleinen Lügen, Freuden, rührenden Fürsorglichkeiten und mörderischen Gemeinheiten, die in Verwandtschaftsverhältnissen vorkommen. Nur weil wir Tiere als alte Verwandte sehen, können wir uns in ihnen so ausgiebig spiegeln.”
(Matthias Winzen: “Das Tier als Bild”, in: Das Tier in mir. Die animalischen Ebenbilder des Menschen. Köln 2002, S. 178)


Thema: Reise

“Wir reisen nicht nur an andere Orte, sondern vor allem reisen wir in andere Verfassungen der eigenen Seele.” – Werner Bergengruen, Badekur des Herzens
(https://de.wikiquote.org/wiki/Reisen)

Reisen – “vom Teufel gejagt” – oder “Stillhaltenmüssen” in der Stube?
“In einer trostlosen Vorstadtkneipe ruhte ich einen Augenblick aus, trank Wasser und Kognak, lief wieder weiter, vom Teufel gejagt, die steilen krummen Gassen der Altstadt hinauf und hinab, durch die Alleen, über den Bahnhofplatz. Fortreisen! dachte ich, ging in den Bahnhof, starrte auf die Fahrpläne an den Wänden, trank etwas Wein, versuchte, mich zu besinnen. Immer näher, immer deutlicher begann ich das Gespenst zu sehen, vor dem ich mich fürchtete. Es war die Heimkehr, die Rückkehr in meine Stube, das Stillhaltenmüssen vor der Verzweiflung!” (Hermann Hesse, Der Steppenwolf)


Thema: Humor

“Nun, aller höhere Humor fängt damit an, daß man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.”
https://de.wikiquote.org/wiki/Hermann_Hesse

“Humor ist Erkenntnis der Grenze, verbunden mit grenzenloser Erkenntnis.”
https://de.wikiquote.org/wiki/Gerhart_Hauptmann


Thema: Beeinflussung – Entwicklung – Metamorphose

“Die Verzweiflung schickt Gott nicht, um uns zu töten, er schickt sie, um neues Leben in uns zu erwecken. ”
https://de.wikiquote.org/wiki/Hermann_Hesse

“Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern
es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben (…)”
(Hermann Hesse: Stufen; “Glasperlenspiel”)

“Die Auflösung des Einen ist die Entstehung eines Andern.”
Über die Wissenschaft und das Leben
https://de.wikiquote.org/wiki/Francesco_de_Sanctis

“Unzufriedenheit ist der erste Schritt in Richtung Fortschritt (…)”
https://de.wikiquote.org/wiki/Oscar_Wilde

“(…) alle geistige Beeinflussung beruht vornehmlich auf Bestärken und Schwächen. Man kann niemanden zu etwas bringen, der nicht schon dunkel auf dem Wege dahin ist, und niemanden von etwas abbringen, der nicht schon geneigt ist, sich ihm zu entfremden (…)”
http://www.christian-morgenstern.de/dcma/index.php?title=Aphorismen_-_Erziehung,_Selbsterziehung_-_1907

Rolle der Frauen in der Entwicklung/Veränderung der Protagonisten

“Marias liebevolle Worte, ihr sehnsüchtig aufblühender Blick riß breite Breschen in meine Ästhetik. Wohl gab es einiges Schöne, einiges wenige auserlesen Schöne, das mir über jeden Streit und Zweifel erhaben schien, obenan Mozart, aber wo war die Grenze? Hatten wir Kenner und Kritiker nicht alle als Jünglinge Kunstwerke und Künstler glühend geliebt, die uns heute zweifelhaft und fatal erschienen? War es uns nicht mit Liszt, mit Wagner, vielen sogar mit Beethoven so gegangen? War nicht Marias blühende Kinderrührung über den Song aus Amerika ein ebenso reines, schönes, über jeden Zweifel erhabenes Kunsterlebnis wie die Ergriffenheit irgendeines Studienrats über den Tristan oder die Ekstase eines Dirigenten bei der Neunten Symphonie?” (Hermann Hesse: Der Steppenwolf)

“Keine Frau hat ihren Mann je um ein Haarbreit verändert.” (Gerald O’Hara in Margaret Mitchell, “Vom Winde verweht”; “No wife has ever changed a husband one whit.”)

“Der Charakter des Protagonisten zeichnet sich in besonderem Maße durch seine Mehrdimensionalität aus. So besitzt er nie nur gute oder nur schlechte Eigenschaften, da er dadurch nicht nur langweilig, sondern in höchstem Maße unglaubwürdig wäre (…) Auch wenn diese Mehrdimensionalität für alle Figuren wichtig ist, zeichnet sie sich beim Protagonisten durch eine größere Komplexität aus; von ihm erfahren wir schlichtweg mehr. Die Mehrdimensionalität des Protagonisten äußert sich zum einen durch intrapersonale Widersprüche, welche sich in seinen Handlungen und Entscheidungen widerspiegeln. Diese befinden sich im Laufe der gesamten Handlung in einem dynamischen Prozess, der zu Veränderungen der Einstellungen und damit seines alten Weltbilds führt.”
https://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/filmanalyse/arb_stud/hopp_stolz/docs/figurenkonzeption.htm


Thema: Frauenbild

“Immer hatte ich von den Frauen, die ich geliebt hatte, Geist und Bildung verlangt, ohne je ganz zu merken, daß auch die geistvollste und verhältnismäßig gebildetste Frau niemals dem Logos in mir Antwort gab, sondern stets ihm entgegenstand; ich brachte meine Probleme und Gedanken zu den Frauen mit, und völlig unmöglich hätte es mir geschienen, ein Mädchen länger als eine Stunde zu lieben, das kaum ein Buch gelesen hatte, kaum wußte, was Lesen ist, und einen Tschaikowsky von einem Beethoven nicht hätte unterscheiden können. Maria hatte keine Bildung, sie hatte diese Umwege und Ersatzwelten nicht nötig, ihre Probleme wuchsen alle unmittelbar aus den Sinnen. Mit den ihr gegebenen Sinnen, mit ihrer besonderen Figur, ihren Farben, ihrem Haar, ihrer Stimme, ihrer Haut, ihrem Temperament so viel Sinnen und Liebesglück als irgend möglich zu erringen, für jede Fähigkeit, für jede Biegung ihrer Linien, jede zarteste Modellierung ihres Körpers beim Liebenden Antwort, Verständnis und lebendiges, beglückendes Gegenspiel zu finden und hervorzuzaubern, dies war ihre Kunst und Aufgabe.” (Hermann Hesse: Der Steppenwolf)

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