Der goldne Topf 48

Lindhorst ist mit Anselmus’ Arbeit zufrieden, sie gehen ins Linkesche Bad und treffen auf dem Weg Heerbrand, der sich betrinkt.

Jetzt trat der Archivarius Lindhorst in seinem weißgrauen Ueberrock, den Hut auf dem Kopfe, den Stock in der Hand, herein; er sah in das von dem Anselmus beschriebene Pergament, nahm eine große Prise und sagte lächelnd: das dacht’ ich wol!

– Nun! hier ist der Speziesthaler, Hr. Anselmus, jetzt wollen wir noch nach dem Linkeschen Bade gehen – nur mir nach! –

Der Archivarius schritt rasch durch den Garten, in dem ein solcher Lärm von Singen, Pfeifen, Sprechen durch einander war, daß der Student Anselmus ganz betäubt wurde und dem Himmel dankte, als er sich auf der Straße befand.

Kaum waren sie einige Schritte gegangen, als sie dem Registrator Heerbrand begegneten, der freundlich sich anschloß.

Vor dem Thore stopften sie die mitgenommenen Pfeifen; der Registrator Heerbrand beklagte kein Feuerzeug bei sich zu tragen, da rief der Archivarius Lindhorst ganz unwillig: „Was Feuerzeug! – hier ist Feuer, so viel Sie wollen!“

Und damit schnippte er mit den Fingern, aus denen große Funken strömten, die die Pfeifen schnell anzündeten.

„Sehen Sie das chemische Kunststückchen,“ sagte der Registrator Heerbrand, aber der Student Anselmus dachte nicht ohne inneres Erbeben an den Salamander.

– Im Linkeschen Bade trank der Registrator Heerbrand so viel starkes Doppelbier, daß er, sonst ein gutmüthiger stiller Mann, anfing in einem quäkenden Tenor Burschenlieder zu singen, Jeden hitzig fragte: ob er sein Freund sey oder nicht, und endlich von dem Studenten Anselmus zu Hause gebracht werden mußte, als der Archivarius Lindhorst schon längst auf und davon war.

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