Der goldne Topf 42

Auf freiem Feld wird ein Liebeszauber gebraut.

– Mit dumpfem dröhnenden Klange schlug die Glocke des Kreuzthurms eilf Uhr, als Veronika ganz durchnäßt vor dem Hause der Alten stand.

„Ei Liebchen, Liebchen, schon da! – nun warte, warte!“ – rief es von oben herab – und gleich darauf stand auch die Alte, mit einem Korbe beladen und von ihrem Kater begleitet, vor der Thür.

„So wollen wir denn gehen und thun und treiben was ziemlich ist und gedeiht in der Nacht, die dem Werke günstig,“ dies sprechend, ergriff die Alte mit kalter Hand die zitternde Veronika, welcher sie den schweren Korb zu tragen gab, während sie selbst einen Kessel, Dreifuß und Spaten auspackte.

Als sie ins Freie kamen, regnete es nicht mehr, aber der Sturm war stärker geworden; tausendstimmig heulte es in den Lüften.

Ein entsetzlicher herzzerschneidender Jammer tönte herab aus den schwarzen Wolken, die sich in schneller Flucht zusammenballten und Alles einhüllten in dicke Finsterniß.

Aber die Alte schritt rasch fort, mit gellender Stimme rufend: „leuchte – leuchte mein Junge!“

Da schlängelten und kreuzten sich blaue Blitze vor ihnen her, und Veronika wurde inne, daß der Kater knisternde Funken sprühend und leuchtend vor ihnen herumsprang, und dessen ängstliches grausiges Zetergeschrei sie vernahm, wenn der Sturm nur einen Augenblick schwieg.

– Ihr wollte der Athem vergehen, es war als griffen eiskalte Krallen in ihr Inneres, aber gewaltsam raffte sie sich zusammen, und sich fester an die Alte klammernd sprach sie: Nun muß Alles vollbracht werden, und es mag geschehen was da will!

„Recht so, mein Töchterchen!“ erwiederte die Alte, „bleibe fein standhaft, und ich schenke Dir was Schönes und den Anselmus obendrein!“

Endlich stand die Alte still, und sprach: „Nun sind wir an Ort und Stelle!“ Sie grub ein Loch in die Erde, schüttete Kohlen hinein und stellte den Dreifuß darüber, auf den sie den Kessel setzte.

Alles dieses begleitete sie mit seltsamen Gebehrden, während der Kater sie umkreiste.

Aus seinem Schweif sprühten Funken, die einen Feuerreif bildeten.

Bald fingen die Kohlen an zu glühen, und endlich schlugen blaue Flammen unter dem Dreifuß hervor.

Veronika mußte Mantel und Schleier ablegen und sich bei der Alten niederkauern, die ihre Hände ergriff und fest drückte, mit den funkelnden Augen das Mädchen anstarrend.

Nun fingen die sonderbaren Massen – waren es Blumen – Metalle – Kräuter – Thiere, man konnte es nicht unterscheiden – die die Alte aus dem Korbe genommen und in den Kessel geworfen, an zu sieden und zu brausen.

Die Alte ließ Veronika los, sie ergriff einen eisernen Löffel, mit dem sie in die glühende Masse hineinfuhr und darin rührte, während Veronika auf ihr Geheiß festen Blickes in den Kessel hineinschauen und ihre Gedanken auf den Anselmus richten mußte.

Nun warf die Alte aufs Neue blinkende Metalle und auch eine Haarlocke, die sich Veronika vom Kopfwirbel geschnitten, so wie einen kleinen Ring, den sie lange getragen, in den Kessel, indem sie unverständliche, durch die Nacht grausig gellende Töne ausstieß, und der Kater im unaufhörlichen Rennen winselte und ächzte. –

 

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