Der goldne Topf 18

Anselmus hat beim Ergreifen des Türklopfers erneut eine grässliche Erscheinung

Da stand er und schaute den großen schönen bronzenen Thürklopfer an; aber als er nun auf den letzten die Luft mit mächtigem Klange durchbebenden Schlag der Thurm-Uhr an der Kreuzkirche den Thürklopfer ergreifen wollte, da verzog sich das metallene Gesicht im ekelhaften Spiel blauglühender Lichtblicke zum grinsenden Lächeln.

Ach! es war ja das Aepfelweib vom schwarzen Thor! Die spitzigen Zähne klappten in dem schlaffen Maule zusammen, und in dem Klappern schnarrte es: „du Narre – Narre – Narre – warte, warte! warum warst hinausgerannt! Narre!“

– Entsetzt taumelte der Student Anselmus zurück, er wollte den Thürpfosten ergreifen, aber seine Hand erfaßte die Klingelschnur und zog sie an, da läutete es stärker und stärker in gellenden Mißtönen, und durch das ganze öde Haus rief und spottete der Wiederhall: Bald Dein Fall ins Kristall!

– Den Studenten Anselmus ergriff ein Grausen, das im krampfhaften Fieberfrost durch alle Glieder bebte. Die Klingelschnur senkte sich hinab und wurde zur weißen durchsichtigen Riesenschlange, die umwand und drückte ihn, fester und fester ihr Gewinde schnürend, zusammen, daß die mürben zermalmten Glieder knackend zerbröckelten und sein Blut aus den Adern spritzte, eindringend in den durchsichtigen Leib der Schlange und ihn roth färbend.

– Tödte mich, tödte mich! wollte er schreien in der entsetzlichen Angst, aber sein Geschrei war nur ein dumpfes Röcheln.

– Die Schlange erhob ihr Haupt und legte die lange spitzige Zunge von glühendem Erz auf die Brust des Anselmus, da zerriß ein schneidender Schmerz jähling die Pulsader des Lebens und es vergingen ihm die Gedanken.

– Als er wieder zu sich selbst kam, lag er auf seinem dürftigen Bettlein, vor ihm stand aber der Conrektor Paulmann und sprach: Was treiben Sie denn um des Himmelswillen für tolles Zeug, lieber Herr Anselmus!

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