Der goldne Topf 16

Beim Wort “Kristallglocke” hat Anselmus wieder einen Flashback

Ja! fügte er hinzu, man hat wol Beispiele, daß oft gewisse Fantasmata dem Menschen vorkommen und ihn ordentlich ängstigen und quälen können, das ist aber körperliche Krankheit, und es helfen Blutigel, die man, salva venia, dem Hintern applizirt, wie ein berühmter bereits verstorbener Gelehrter bewiesen.

“Fantasmata” oder “körperliche Krankheit”? auf jeden Fall helfen Blutegel

Der Student Anselmus wußte nun in der That selbst nicht, ob er betrunken, wahnwitzig oder krank gewesen, auf jeden Fall schienen ihm aber die Blutigel ganz unnütz, da die etwanigen Fantasmata gänzlich verschwunden und er sich immer heiterer fühlte, je mehr es ihm gelang, sich in allerlei Artigkeiten um die hübsche Veronika zu bemühen.

betrunken, wahnwitzig oder krank

Es wurde wie gewöhnlich nach der frugalen Mahlzeit Musik gemacht; der Student Anselmus mußte sich ans Klavier setzen, und Veronika ließ ihre helle, klare Stimme hören.

bürgerliche Abendunterhaltung

– Werthe Mademoiselle, sagte der Registrator Heerbrand, Sie haben eine Stimme, wie eine Kristallglocke!

Trigger/Auslöser; Stimme, Kristallglocke

„Das nun wol nicht!“ fuhr es dem Studenten Anselmus heraus, er wußte selbst nicht wie, und Alle sahen ihn verwundert und betroffen an.

Es fuhr ihm heraus, ohne eigenen Willen

„Kristallglocken tönen in Hollunderbäumen wunderbar! wunderbar!“ fuhr der Student Anselmus halbleise murmelnd fort.

Ambivalenz des Wortes “Kristall” im Auge behalten!

Da legte Veronika ihre Hand auf seine Schulter und sagte: Was sprechen Sie denn da, Herr Anselmus?

Gleich wurde der Student wieder ganz munter und fing an zu spielen.

Der Conrektor Paulmann sah ihn finster an, aber der Registrator Heerbrand legte ein Notenblatt auf den Pult und sang zum Entzücken eine Bravour-Arie vom Kapellmeister Graun.

Der Student Anselmus akkompagnirte noch Manches, und ein fugirtes Duett, das er mit Veronika vortrug, und das der Conrektor Paulmann selbst komponirt, setzte Alles in die fröhlichste Stimmung.

Kammermusikabend, ahoi

 

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