Kann man Gerüche fotografieren?

Fort Dodge, Iowa, 2006, ©ankehueper

Gestern wollte ich den Geruch von Regen auf trockener Erde fotografieren. Kann man Gerüche überhaupt fotografieren?

Dies ist keine Pfeife.
1929 entstand René Magrittes Bild “La trahison des images” (wörtlich: Der Verrat der Bilder). Darauf ist eine Pfeife abgebildet, darunter steht “ceci n’est pas une pipe”. Eine gängige Interpretation des Bildes ist, dass kein Bild mit dem Objekt, auf das es verweist, identisch ist.

Natürlich ist das eine Pfeife!
Dass die meisten Betrachter sofort irritiert denken, „natürlich ist das eine Pfeife‟, liegt daran, dass sie das Bild aufgrund von Konventionen und Vorkenntnissen entschlüsseln können. Zudem sind sie so sehr an Abbildungen gewöhnt, dass sie gar nicht auf die Idee kämen, die Pfeife auf dem Bild stopfen und rauchen zu wollen. Auch wenn sie mit einem weniger realistischen Bild konfrontiert wären, einer Strichzeichnung etwa, würden sie die Pfeife sofort identifizieren.

Und das bin ich.
Das Erkennen des eigenen Spiegelbildes gilt in der Verhaltensforschung als Zeichen von Intelligenz und Abstraktionsvermögen. Der Mensch lernt es etwa im Alter von zwei Jahren. Experimente mit Tieren zeigen, dass viele Säugetiere auf ihr Spiegelbild zwar zuerst mit Angriff, Flucht oder Flirt reagieren, dann aber die Selbstwahrnehmung erlernen können. Dass auch Elstern den Spiegeltest bestehen, konnten Biopsychologen der Ruhruniversität Bochum 2000 nachweisen (http://www.bio.psy.rub.de/papers/Artikel%20Elstern.pdf).

Warum liegen die Eierschalen in der Spüle?
Weil sie gleich mit Wasser in den Ausguss gespült und auf Knopfdruck von einem garbage grinder (Küchenabfallzerkleinerer) geschreddert werden. In den USA Standard – in Deutschland trotz Medien und Globalisierung weitgehend unbekannt. An dieser Stelle soll nicht über nachhaltige Abfallwirtschaft diskutiert werden. Es geht darum, dass Bilder je nach Kulturkreis oder Reiseerfahrung des Betrachters unterschiedlich verstanden und interpretiert werden.

Wie sieht Gift aus?
Im Grunde ist es also mit Bildern so wie mit Wörtern. Man muss die Sprache des Absenders kennen, damit man die Botschaft entziffern kann. Wenn ich im Internet Bilder zu „Gift‟ suche, bekomme ich in bunter Mischung Totenköpfe und Geschenkpakete geliefert. Aber niemand würde auf die Idee kommen zu behaupten, dass man Gift nicht fotografieren könne. Wenn ich „Geruch‟ suche, bekomme ich zugehaltene Nasen, Blumen, Achselhöhlen. Im Wikipedia-Artikel zu „Geruch‟ ist eine Hundenase, eine menschliche Nase und die Strukturformel von Buttersäure abgebildet. Eigentlich komisch, denn durch den Kontext wären ja Fotos von Geruch verständlich. Im Artikel „Licht‟ werden schließlich auch nicht Augen abgebildet.

Regen auf trockener Erde
Der Fachbegriff für den Geruch, der entsteht, wenn Regen auf trockene Erde fällt, heißt Petrichor. Das Bild im Wikipedia-Artikel zu „Petrichor‟ zeigt Regen, der auf trockene Erde fällt. Na, es geht doch!

© ankehueper

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