Der goldne Topf 01

Porto, 2012,
Porto, 2012, ©ankehueper

Der goldne Topf.
Ein Mährchen aus der neuen Zeit.

Erste Vigilie.

Vigilie (lat. vigiliae f, pl. – Nachtwache)

Die Unglücksfälle des Studenten Anselmus. Des Conrektors Paulmann Sanitätsknaster und die goldgrünen Schlangen.

Unterüberschrift: Das unglückliche Ereignis auf dem Markt

Sanitätsknaster (Knaster – billiger, übel riechender Tabak)

Am Himmelfahrtstage, Nachmittags um drei Uhr, rannte ein junger Mensch in Dresden durchs Schwarze Thor, und geradezu in einen Korb mit Aepfeln und Kuchen hinein, die ein altes häßliches Weib feil bot, so, daß Alles, was der Quetschung glücklich entgangen, hinausgeschleudert wurde, und die Straßenjungen sich lustig in die Beute theilten, die ihnen der hastige Herr zugeworfen.

Das Schwarze Thor

Das Schwarze Tor, auch Bautzner Tor oder Lausitzer Tor, gehörte zur Stadtbefestigung von Altendresden. Es wurde 1632 angelegt und ab 1811/1812 wieder abgetragen. https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzes_Tor_(Dresden)

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzes_Tor_(Dresden)#/media/File:Hammer_CG_(C12)SchwarzesTor.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzes_Tor_(Dresden)#/media/File:Das_ehemalige_Schwarze_Thor_%C3%84ussere_Ansicht.jpg

feilbieten (zum Kauf anbieten)

Warum hat es der Mann so eilig?

Märcheneingangsszene auf dem Markt erinnert mich an
Wilhelm Hauff: Der Zwerg Nase (1827); gleiches Inventar: Markt, böse Zauberin, Fluch – nur dass die böse Frau bei Hofmann die Marktfrau und bei Hauff die Kundin ist.

(…) Eines Tages saß die Frau des Schusters wieder wie gewöhnlich auf dem Markte; sie hatte vor sich einige Körbe mit Kohl und anderem Gemüse, allerlei Kräuter und Sämereien, auch in einem kleineren Körbchen frühe Birnen, Äpfel und Aprikosen. Der kleine Jakob, so hieß der Knabe, saß neben ihr und rief mit heller Stimme die Waren aus: „Hieher ihr Herren, seht, welch schöner Kohl, wie wohlriechend diese Kräuter! Frühe Birnen, ihr Frauen, frühe Äpfel und Aprikosen! Wer kauft? Meine Mutter gibt es wohlfeil.“ So rief der Knabe. Da kam ein altes Weib über den Markt her; sie sah etwas zerrissen und zerlumpt aus, hatte ein kleines, spitziges Gesicht, vom Alter ganz eingefurcht, rote Augen und eine spitzige, gebogene Nase, die gegen das Kinn hinabstrebte; sie ging an einem langen Stock, und doch konnte man nicht sagen, wie sie ging; denn sie hinkte und rutschte und wankte; es war, als habe sie Räder in den Beinen und könne alle Augenblicke umstülpen und mit der spitzigen Nase aufs Pflaster fallen.
Die Frau des Schusters betrachtete dieses Weib aufmerksam. Es waren jetzt doch schon sechzehn Jahre, daß sie täglich auf dem Markte saß, und nie hatte sie diese sonderbare Gestalt bemerkt. Aber sie erschrak unwillkürlich, als die Alte auf sie zuhinkte und an ihren Körben stille stand. (…) (https://de.wikisource.org/wiki/Der_Zwerg_Nase)

 

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