Der goldne Topf 07

Anselmus beklagt sein Schicksal

– Daß ich niemals Bohnen-König geworden, daß ich im Paar oder Unpaar immer falsch gerathen, daß mein Butterbrodt immer auf die fette Seite gefallen, von allem diesen Jammer will ich gar nicht reden; aber, ist es nicht ein schreckliches Verhängniß, daß ich, als ich denn doch nun dem Satan zum Trotz Student geworden war, ein Kümmeltürke seyn und bleiben mußte?

was ist das für ein Spiel? grad/ungrad, was wir auf Sylt mit Steinen gespielt haben?

“Satan” (zweite Erwähnung)

“Kümmeltürke”

– Ziehe ich wol je einen neuen Rock an, ohne gleich das erstemal einen Talgfleck hineinzubringen, oder mir an einem übeleingeschlagenen Nagel ein verwünschtes Loch hineinzureißen?

Pechvogel

Grüße ich wol je einen Herrn Hofrath oder eine Dame, ohne den Hut weit von mir zu schleudern, oder gar auf dem glatten Boden auszugleiten und schändlich umzustülpen?

Hatte ich nicht schon in Halle jeden Markttag eine bestimmte Ausgabe von drei bis vier Groschen für zertretene Töpfe, weil mir der Teufel in den Kopf setzt, meinen Gang geradeaus zu nehmen, wie die Laminge?

Rhetorische Fragen

Parallelismus

Bin ich denn ein einziges Mal ins Kollegium, oder wo man mich sonst hinbeschieden, zu rechter Zeit gekommen?

Was half es, daß ich eine halbe Stunde vorher ausging, und mich vor die Thür hinstellte, den Drücker in der Hand, denn so wie ich mit dem Glockenschlage aufdrücken wollte, goß mir der Satan ein Waschbecken über den Kopf, oder ließ mich mit einem Heraustretenden zusammenrennen, daß ich in tausend Händel verwickelt wurde, und darüber Alles versäumte.

Satan

– Ach! ach! wo seyd ihr hin, ihr seligen Träume künftigen Glücks, wie ich stolz wähnte, ich könne es wol hier noch bis zum geheimen Sekretair bringen!

Aber hat mir mein Unstern nicht die besten Gönner verfeindet?

– Ich weiß, daß der geheime Rath, an den ich empfohlen bin, verschnittenes Haar nicht leiden mag; mit Mühe befestigt der Friseur einen kleinen Zopf an meinem Hinterhaupt, aber bei der ersten Verbeugung springt die unglückselige Schnur, und ein munterer Mops, der mich umschnüffelt, apportirt im Jubel das Zöpfchen dem geheimen Rathe.

Ich springe erschrocken nach, und stürze über den Tisch, an dem er frühstückend gearbeitet hat, so daß Tassen, Teller, Tintenfaß – Sandbüchse klirrend herabstürzen, und der Strom von Chokolade und Tinte sich über die eben geschriebene Relation ergießt.

„Herr, sind Sie des Teufels!“ brüllt der erzürnte geheime Rath, und schiebt mich zur Thür hinaus.

Teufel

– Was hilft es, daß mir der Conrektor Paulmann Hoffnung zu einem Schreiberdienste gemacht hat, wird es denn mein Unstern zulassen, der mich überall verfolgt! – Nur noch heute!

– Ich wollte den lieben Himmelfahrtstag recht in der Gemüthlichkeit feiern, ich wollte ordentlich was daraufgehen lassen.

Ich hätte eben so gut wie jeder andere Gast in Linke’s Bade stolz rufen können: Marqueur – eine Flasche Doppelbier – aber vom besten bitte ich!

– Ich hätte bis spät Abends sitzen können, und noch dazu ganz nahe bei dieser oder jener Gesellschaft herrlich geputzter schöner Mädchen.

Ich weiß es schon, der Muth wäre mir gekommen, ich wäre ein ganz anderer Mensch geworden; ja, ich hätte es so weit gebracht, daß wenn diese oder jene gefragt: wie spät mag es wol jetzt seyn? oder: was ist denn das, was sie spielen? da wäre ich mit leichtem Anstande aufgesprungen, ohne mein Glas umzuwerfen oder über die Bank zu stolpern; mich in gebeugter Stellung anderthalb Schritte vorwärts bewegend, hätte ich gesagt: Erlauben Sie, Mademoiselle, Ihnen zu dienen, es ist die Ouvertüre aus dem Donauweibchen, oder es wird gleich sechs Uhr schlagen.

– Hätte mir das ein Mensch in der Welt übel deuten können?

– Nein! sage ich, die Mädchen hätten sich so schalkhaft lächelnd angesehen, wie es wol zu geschehen pflegt, wenn ich mich ermuthige zu zeigen, daß ich mich auch wol auf den leichten Weltton verstehe und mit Damen umzugehen weiß.

Aber da führt mich der Satan in den verwünschten Aepfelkorb, und nun muß ich in der Einsamkeit meinen Sanitätsknaster –“

 

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