Der goldne Topf 52

– Als er nun Mittags durch den Garten des Archivarius Lindhorst ging, konnte er sich nicht genug wundern, wie ihm das Alles sonst so seltsam und wundervoll habe vorkommen können.

Er sah nichts als gewöhnliche Scherbenpflanzen, allerlei Geranien, Myrthenstöcke u. dergl. Statt der glänzenden bunten Vögel, die ihn sonst geneckt, flatterten nur einige Sperlinge hin und her, die ein unverständliches unangenehmes Geschrei erhoben, als sie den Anselmus gewahr wurden.

Das blaue Zimmer kam ihm auch ganz anders vor, und er begriff nicht, wie ihm das grelle Blau und die unnatürlichen goldnen Stämme der Palmbäume mit den unförmlichen blinkenden Blättern nur einen Augenblick hatten gefallen können.

– Der Archivarius sah ihn mit einem ganz eignen ironischen Lächeln an und fragte: „Nun, wie hat Ihnen gestern der Punsch geschmeckt, werther Anselmus?“

„Ach, gewiß hat Ihnen der Papagei,“ erwiederte der Student Anselmus ganz beschämt, aber er stockte, denn er dachte nun wieder daran, daß auch die Erscheinung des Papageis wol nur Blendwerk der befangenen Sinne gewesen.

„Ei, ich war ja selbst in der Gesellschaft,“ fiel der Archivarius Lindhorst ein, „haben Sie mich denn nicht gesehen? Aber bei dem tollen Unwesen, das Ihr triebt, wäre ich beinahe hart beschädigt worden; denn ich saß eben in dem Augenblick noch in der Terrine, als der Registrator Heerbrand danach griff, um sie gegen die Decke zu schleudern, und mußte mich schnell in des Conrektors Pfeifenkopf retiriren.

Nun Adieu, Hr. Anselmus! – seyn Sie fleißig, auch für den gestrigen versäumten Tag zahle ich den Speziesthaler, da Sie bisher so wacker gearbeitet.“

„Wie kann der Archivarius nur solch tolles Zeug faseln,“ sagte der Student Anselmus zu sich selbst und setzte sich an den Tisch, um die Copie des Manuskripts zu beginnen, das der Archivarius wie gewöhnlich vor ihm ausgebreitet.

 

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