Der goldne Topf 31

Anselmus schaut kurz herein, Veronika gibt sich weiter ihren Zukunftsträumen hin, in die sich aber eine böse Vorahnung mischt

Aber da trat der Student Anselmus, der wider seine Gewohnheit sich mehrere Tage nicht sehen lassen, ins Zimmer, zu Veronika’s Schreck und Erstaunen, denn in der That war er in seinem ganzen Wesen verändert.

Mit einer gewissen Bestimmtheit, die ihm sonst gar nicht eigen, sprach er von ganz andern Tendenzen seines Lebens, die ihm klar worden, von den herrlichen Aussichten, die sich ihm geöffnet, die Mancher aber gar nicht zu schauen vermöchte.

Der Conrektor Paulmann wurde, der geheimnißvollen Rede des Registrators Heerbrand gedenkend, noch mehr betroffen, und konnte kaum eine Sylbe hervorbringen, als der Student Anselmus, nachdem er einige Worte von dringender Arbeit bei dem Archivarius Lindhorst fallen lassen und der Veronika mit eleganter Gewandtheit die Hand geküßt, schon die Treppe hinunter, auf und von dannen war.

„Das war ja schon der Hofrath, murmelte Veronika in sich hinein, und er hat mir die Hand geküßt, ohne dabei auszugleiten oder mir auf den Fuß zu treten, wie sonst! – er hat mir einen recht zärtlichen Blick zugeworfen – er ist mir wol in der That gut.“

– Veronika überließ sich aufs Neue jener Träumerei, indessen war es, als träte immer eine feindselige Gestalt unter die lieblichen Erscheinungen, wie sie aus dem künftigen häuslichen Leben als Frau Hofräthinn hervorgingen, und die Gestalt lachte recht höhnisch und sprach: „Das ist ja Alles recht dummes ordinäres Zeug und noch dazu erlogen, denn der Anselmus wird nimmermehr Hofrath und Dein Mann; er liebt Dich ja nicht, unerachtet Du blaue Augen hast und einen schlanken Wuchs und eine feine Hand.“

– Da goß sich ein Eisstrom durch Veronika’s Innres, und ein tiefes Entsetzen vernichtete die Behaglichkeit, mit der sie sich nur noch erst im Spitzenhäubchen und den eleganten Ohrringen gesehen.

– Die Thränen wären ihr beinahe aus den Augen gestürzt, und sie sprach laut: Ach, es ist ja wahr, er liebt mich nicht, und ich werde nimmermehr Frau Hofräthinn!

„Romanenstreiche, Romanenstreiche,“ schrie der Conrektor Paulmann, nahm Hut und Stock und eilte zornig von dannen!

– Das fehlte noch, seufzte Veronika, und ärgerte sich recht über die zwölfjährige Schwester, welche theilnehmungslos an ihrem Rahmen sitzend fortgestickt hatte.

Unterdessen war es beinahe drei Uhr geworden, und nun gerade Zeit das Zimmer aufzuräumen und den Kaffeetisch zu ordnen; denn die Mademoiselle Osters hatten sich bei der Freundinn ansagen lassen.

 

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