Der goldne Topf 30

Veronika träumt von einer Zukunft als Gattin des Hofrats Anselmus

Aber auf Veronika hatte das Gespräch einen ganz eignen Eindruck gemacht.

Habe ich’s denn nicht schon immer gewußt, dachte sie, daß der Herr Anselmus ein recht gescheidter, liebenswürdiger junger Mann ist, aus dem noch was Großes wird?

Wenn ich nur wüßte, ob er mir wirklich gut ist?

– Aber hat er mir nicht jenen Abend, als wir über die Elbe fuhren, zweimal die Hand gedrückt? hat er mich nicht im Duett angesehen mit solchen ganz sonderbaren Blicken, die bis ins Herz drangen?

Ja, ja! er ist mir wirklich gut – und ich – Veronika überließ sich ganz, wie junge Mädchen wol pflegen, den süßen Träumen von einer heitern Zukunft.

Sie war Frau Hofräthinn, bewohnte ein schönes Logis in der Schloßgasse, oder auf dem Neumarkt, oder auf der Moritzstraße – der moderne Hut, der neue türkische Shawl stand ihr vortrefflich – sie frühstückte im eleganten Negligee im Erker, der Köchinn die nöthigen Befehle für den Tag ertheilend.

„Aber daß Sie mir die Schüssel nicht verdirbt, es ist des Herrn Hofraths Leibessen!“

– Vorübergehende Elegants schielen herauf, sie hört deutlich: „Es ist doch eine göttliche Frau, die Hofräthinn, wie ihr das Spitzenhäubchen so allerliebst steht!“

– Die geheime Räthinn Ypsilon schickt den Bedienten und läßt fragen, ob es der Frau Hofräthinn gefällig wäre, heute ins Linkische Bad zu fahren?

– „Viel Empfehlungen, es thäte mir unendlich leid, ich sey schon engagirt zum Thee bei der Präsidentinn Tz.“

– Da kommt der Hofrath Anselmus, der schon früh in Geschäften ausgegangen, zurück; er ist nach der letzten Mode gekleidet, „wahrhaftig schon zehn,“ ruft er, indem er die goldene Uhr repetiren läßt und der jungen Frau einen Kuß giebt.

„Wie gehts, liebes Weibchen, weißt Du auch, was ich für Dich habe?“ fährt er schäkernd fort und zieht ein Paar herrliche nach der neuesten Art gefaßte Ohrringe aus der Westentasche, die er ihr statt der sonst getragenen gewöhnlichen einhängt.

„Ach, die schönen niedlichen Ohrringe,“ ruft Veronika ganz laut, und springt, die Arbeit wegwerfend, vom Stuhl auf, um in dem Spiegel die Ohrringe wirklich zu beschauen.

„Nun was soll denn das seyn,“ sagte der Conrektor Paulmann, der eben in Cicero de Officiis vertieft, beinahe das Buch fallen lassen, „man hat ja Anfälle wie der Anselmus.“

 

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