Der goldne Topf 29

Conrektor Paulmann und Registrator Heerbrand tauschen sich über Anselmus’ Karriereaussichten aus

Fünfte Vigilie.
Die Frau Hofräthinn Anselmus. – Cicero de officiis. – Meerkatzen und anderes Gesindel. – Die alte Liese. – Das Aequinoctium.

Mit dem Anselmus ist nun einmal in der Welt nichts anzufangen, sagte der Conrektor Paulmann; alle meine gute Lehren, alle meine Ermahnungen sind fruchtlos, er will sich ja zu gar nichts appliziren, unerachtet er die besten Schulstudia besitzt, die denn doch die Grundlage von Allem sind.

Aber der Registrator Heerbrand erwiederte schlau und geheimnißvoll lächelnd: Lassen Sie dem Anselmus doch nur Raum und Zeit, werthester Conrektor! das ist ein kurioses Subjekt, aber es steckt viel in ihm, und wenn ich sage: viel, so heißt das: ein geheimer Sekretair, oder wol gar ein Hofrath.

– Hof – fing der Conrektor im größten Erstaunen an, das Wort blieb ihm stecken.

– Still, still, fuhr der Registrator Heerbrand fort, ich weiß, was ich weiß! –

Schon seit zwei Tagen sitzt er bei dem Archivarius Lindhorst und kopirt, und der Archivarius sagte gestern Abend auf dem Kaffeehause zu mir: Sie haben mir einen wackern Mann empfohlen, Verehrter! – aus dem wird was, und nun bedenken Sie des Archivarii Connexionen – still – still – sprechen wir uns über’s Jahr!

– Mit diesen Worten ging der Registrator im fortwährenden schlauen Lächeln zur Thür hinaus und ließ den vor Erstaunen und Neugierde verstummten Conrektor im Stuhle festgebannt sitzen.

 

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