Karte und Kunst 1

Auszug aus Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf:
“Pippi musste etwas Atem holen. Und die Lehrerin, die jetzt begriff, daß Pippi ein unruhiges und schwieriges Kind war, schlug vor, die Klasse solle jetzt etwas zeichnen. Sicher würde Pippi still und ruhig sitzen und zeichnen, dachte die Lehrerin. Und sie holte Papier und Bleistifte und verteilte sie unter die Kinder. ‘Ihr könnt zeichnen, was ihr wollt’, sagte sie und setzte sich auf das Katheder und fing an, Schreibhefte durchzusehen. Nach einer Weile blickte sie auf, um zu sehen, wie es mit dem Zeichnen ginge. Da saßen alle Kinder und schauten Pippi zu, die auf dem Fußboden lag und zeichnete. ‘Ja, aber Pippi’, sagte die Lehrerin ungeduldig, warum zeichnest du nicht auf dem Papier?’ ‘Das habe ich schon längst vollgezeichnet, aber auf dem lumpigen Stückchen Papier hat mein ganzes Pferd nicht Platz’, sagte Pippi. ‘Gerade eben bin ich bei den Vorderbeinen, aber wenn ich zum Schwanz komme, muß ich wohl auf den Korridor rausgehen.'”

“…In jenem Reich erlangte die Kunst der Kartographie eine solche Vollkommenheit, dass die Karte einer einzigen Provinz den Raum einer Stadt einnahm und die Karte des Reichs den einer Provinz. Mit der Zeit befriedigten diese maßlosen Karten nicht länger, und die Kollegs der Kartographen erstellten eine Karte des Reichs, die die Größe des Reichs besaß und sich mit ihm in jedem Punkt deckte. Die nachfolgenden Geschlechter, die dem Studium der Kartographie nicht mehr so ergeben waren, waren der Ansicht, diese ausgedehnte Karte sei unnütz, und überließen sie, nicht ohne Verstoß gegen die Pietät, den Unbilden der Sonne und der Winter. In den Wüsten des Westens überdauern zerstückelte Ruinen der Karte, behaust von Tieren und von Bettlern; im ganzen Land gibt es keine anderen Überreste der geographischen
Lehrwissenschaften.”
(Jorge Luis Borges, Borges und ich. In: Gesammelte Werke, Bd. VI, München 1982, S. 121.)

“Lewis Carroll, in Sylvie and Bruno Concluded (1893), made the point humorously with his description of a fictional map that had ‘the scale of a mile to the mile.’ A character notes some practical difficulties with such a map and states that ‘we now use the country itself, as its own map, and I assure you it does nearly as well.’
(http://en.wikipedia.org/wiki/Map-territory_relation)

 

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